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Gehaltserhöhung nach Probezeit – So verhandeln Sie richtig!

Wer neu in einem Unternehmen anfĂ€ngt, hat in der Regel schon einige HĂŒrden hinter sich gebracht: Das Bewerbungsschreiben hat ĂŒberzeugt und auch im persönlichen VorstellungsgesprĂ€ch konnte man die Vorgesetzten fĂŒr sich begeistern und sich so im Normalfall gegen jede Menge Konkurrenten durchsetzen. Auch wenn nun alle Weichen dafĂŒr gelegt sind, einen beruflichen Neustart hinzulegen und sich im Unternehmen zu etablieren, dĂŒrfen sich Neueinsteiger nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Die Probezeit hat ihren Namen schließlich nicht von ungefĂ€hr und soll sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber Aufschluss darĂŒber geben, ob eine Zusammenarbeit Sinn ergibt und das bringt, was sich beide Seiten vorstellen.

Auch wenn Arbeitnehmer natĂŒrlich jede Menge Rechte haben, was die Probezeit bedeutet, gehen mit ihr auch ganz besondere Pflichten einher: Arbeitnehmer stehen unter besonderer Beobachtung und fĂŒrchten hĂ€ufig davor, bei kleinsten Fehlern eine KĂŒndigung oder zumindest keinen unbefristeten Jobvertrag zum Ende der Probezeit zu erhalten. Kein Wunder also, dass Sie womöglich eher dazu gewillt sind, verschiedene Dinge hinzunehmen, die Sie innerhalb eines unbefristeten Vertrags und außerhalb der Probezeit schon lĂ€ngst angesprochen hĂ€tten. Ein zu geringer Verdienst gehört dazu und ist damit eines der hĂ€ufigsten Anliegen, die Arbeitnehmer dann ansprechen, wenn ihre Probezeit endlich ein Ende genommen hat und der Job damit fest in der Tasche ist. Doch wie bringt man dieses heikle Thema am besten auf den Tisch, ohne es sich direkt am Anfang der “richtigen” Arbeitszeit schon mit seinen Vorgesetzten zu verscherzen und einen schlechten Eindruck von sich zu hinterlassen?

FĂŒr eine Gehaltserhöhung nach Probezeit braucht es triftige GrĂŒnde

Prinzipiell spricht nichts dagegen, eine Gehaltserhöhung nach Probezeit anzusprechen – dass man seinen Job gut macht, hat ja bereits das ÜbernahmegesprĂ€ch bewiesen. Zu beachten ist jedoch, dass sich das Jahresgehalt durch eine Gehaltsverhandlung in der Regel nicht Ă€ndern wird – immerhin wurde schon vor Beginn der Probezeit und damit vor Antritt der Arbeit ein Gehalt ausgehandelt und von beiden Seiten unterzeichnet. Direkt nach Ende der Probezeit erneut um das Gehalt zu verhandeln, ist also unter UmstĂ€nden nicht immer sinnvoll. Immerhin hĂ€tten Sie vor Beginn der in der Regel sechsmonatigen Probezeit genĂŒgend Gelegenheiten dafĂŒr gehabt. Das Beenden der Probezeit ist dabei kein stichfestes Argument fĂŒr eine Gehaltserhöhung – zumindest fĂŒr den Arbeitgeber nicht. Wer trotzdem mehr Geld bekommen will oder der Meinung ist, sein Gehalt wĂ€re unangemessen niedrig, kann eine Gehaltserhöhung nach Probezeit unter UmstĂ€nden ansprechen. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn sich die Rahmenbedingungen, zu denen der Arbeitsvertrag geschlossen wurde, grundlegend geĂ€ndert haben.

Wer nach Probezeit Gehaltserhöhung fĂŒr sich durchsetzen will, sollte dafĂŒr einige Voraussetzungen erfĂŒllen

Muss deutlich mehr gearbeitet werden, als im VorstellungsgesprĂ€ch oder im Verlauf weiterer GesprĂ€che abgemacht wurde, kann das ein Grund dafĂŒr sein, um ein höheres Gehalt anzufordern. Auch eine deutlich höhere Verantwortung, als angenommen oder andere Arbeitszeiten, als vereinbart, können dazu zĂ€hlen. Wer mehr leistet, als zunĂ€chst festgehalten wurde, regelmĂ€ĂŸig Überstunden macht oder nach Beendigung der Probezeit sogar einen Job ausĂŒbt, der weit ĂŒber das hinausgeht, was die ausgehandelten Aufgaben betrifft, kann dabei zu Recht eine erste Gehaltserhöhung anfordern – allerdings nur dann, wenn die Mehrarbeit gefordert wird und nicht aus freiwilligen StĂŒcken heraus geschieht. Unter UmstĂ€nden ist es dabei sogar sinnvoll, einen neuen Arbeitsvertrag auszuhandeln.

Bearbeiten Sie alle Aufgaben gewissenhaft, sind pĂŒnktlich und zuvorkommend und bereit dazu, Überstunden zu leisten, machen Sie sich mit seinem Verhalten zwar beliebt bei Kollegen und Vorgesetzten, leisten damit aber nicht unbedingt mehr als andere Kollegen. Stattdessen gehen Sie damit lediglich ihrer Arbeit nach, wie es gewĂŒnscht wird. GrĂŒnde, um deutlich mehr Geld zu erhalten, sind das in der Regel nicht – immerhin erwarten die meisten Vorgesetzten von ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ein gewisses Maß an Arbeitseinsatz, auch wenn dafĂŒr unter UmstĂ€nden das Privatleben auch mal hinten anstehen muss. Kann ein Arbeitnehmer einem Unternehmen jedoch einen messbaren Mehrwert bieten, indem er seine vereinbarten Ziele deutlich ĂŒbertrifft, der Firma zu immensen Kosteneinsparungen verhilft oder maßgeblich daran beteiligt ist, dass der Umsatz gesteigert werden kann, hat gute Chancen fĂŒr eine erste Gehaltserhöhung.

Schon im VorstellungsgesprÀch den eigenen Marktwert zu kennen, zahlt sich aus

Wurde schon eine Gehaltserhöhung nach Probezeit vereinbart, können Arbeitnehmer nicht noch eine zusĂ€tzliche Gehaltsaufstockung erwarten, wenn die Probezeit zu Ende ist. Zu beachten ist außerdem, dass den Arbeitgeber keine Schuld trifft, sollten Sie feststellen, dass Sie sich schon beim VorstellungsgesprĂ€ch unter Wert verkauft haben. Wer sich vorher nicht ausreichend ĂŒber seinen Marktwert informiert und nicht gleich beim gemeinsamen GehaltsgesprĂ€ch seine WĂŒnsche und Vorstellungen Ă€ußert, hat schlechte Karten, diesen Fehler so schnell wiedergutzumachen. Hier gilt es jedoch, nicht aufzugeben: Anstatt sich den Rest seines Lebens mit genau diesem Gehalt zufriedengeben zu mĂŒssen, können Sie dennoch ein höheres Gehalt erhalten, wenn Sie Weiterbildungsmaßnahmen ergreifen, mit der Zeit immer verantwortungsvollere Projekte ĂŒbernehmen oder dem Unternehmen aktiv und messbar zu Erfolg verhelfen.

Gehaltserhöhung nach Probezeit: Das sind die Do’s und Dont’s

Zwischen fĂŒnf und zehn Prozent mehr Gehalt können Arbeitnehmer in einer Gehaltsverhandlung fordern. Mehr Geld zu verlangen, wirkt in der Regel gierig und kann im schlimmsten Fall sogar das ArbeitsverhĂ€ltnis nachhaltig belasten. Wer weniger als fĂŒnf Prozent fordert, macht sich klein, wirkt wenig selbstbewusst und erweckt den Anschein, nicht zu sich und seinen Leistungen zu stehen. Zu beachten ist außerdem, dass eine Gehaltsverhandlung nach der Probezeit genau das ist, was der Name sagt: Ihr Vorgesetzter wird mit Ihnen verhandeln und im Zweifel werden Sie den KĂŒrzeren ziehen. Um Ihren Chef von sich und Ihren Argumenten zu ĂŒberzeugen, lohnt es sich, tatsĂ€chliche Beweise mit in das GesprĂ€ch zu nehmen. Listen Sie Ihre bisherigen Leistungen genau auf, beziffern Sie den geschaffenen Mehrwert genau und belegen Sie die gestiegenen Anforderungen – nur so sind Sie glaubhaft und können Ihrem Vorgesetzten genau vor Augen fĂŒhren, was Sie tun und was Sie wollen.

Der richtige Zeitpunkt sollte abgepasst werden

Eine Gehaltsverhandlung nach Probezeit kann noch so gut vorbereitet sein – wenn Ihr Vorgesetzter mĂŒde ist oder wichtige Fristen im Kopf hat, die ihn deutlich mehr beschĂ€ftigen, kann das unter UmstĂ€nden das Aus fĂŒr Ihre Argumente sein. Setzen Sie die Gehaltsverhandlung nach Möglichkeit also nicht fĂŒr einen Freitagnachmittag und auch nicht an einem Montagmorgen. Passen Sie einen Moment ab, in dem Ihr Vorgesetzter nicht gerade gestresst von Termin zu Termin hetzt, sondern gut gelaunt und motiviert wirkt und vor allen Dingen auch Zeit dafĂŒr hat, sich mit Ihnen und Ihren WĂŒnschen auseinanderzusetzen. So kann einer Gehaltserhöhung nichts mehr im Wege stehen!